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Fake News
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Fake News (auch Fakenews;cite-ref-1[1] englisch fake news [])cite-ref-2[2] sind absichtlich falsche oder irrefĂŒhrende Informationen, die oft in Form von Nachrichten verbreitet werden. Sie werden gezielt erstellt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, Fehlinformationen zu verbreiten oder bestimmte politische, soziale oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Fake News können in Form von Artikeln, Bildern, Videos oder Social-Media-BeitrĂ€gen auftreten und sind oft schwer von echten Nachrichten zu unterscheiden. Wegen ihres oft absichtlich emotionalen Charakters verbreiten sie sich, da ohne redaktionelle Kontrolle, in den sozialen Netzwerken hĂ€ufig viral.
Die Verbreitung von Fake News kann schwerwiegende Folgen haben, darunter die Verzerrung der öffentlichen Meinung, die Verbreitung von Misstrauen gegenĂŒber etablierten Medien und Institutionen und in einigen FĂ€llen sogar die Förderung von Gewalt oder sozialer Unruhe.
Die BekĂ€mpfung von Fake News erfordert Medienkompetenz, die FĂ€higkeit zur kritischen Analyse von Informationen und die Nutzung vertrauenswĂŒrdiger Quellen.
Fake News ist auch zu einem politischen Schlagwort geworden.cite-ref-3[3]
Contents
âą Social Bots
âą Folgen
âą Anfeindungen
âą GegenmaĂnahmen
âą Beispiele
âą Russland
âą Deutschland
âą Ăsterreich
âą Italien
âą China
âą Weiteres
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Einordnung und Begriff
FĂŒr die Zeit-Journalistin Karoline Kuhla sind Fake News âim Stil an echte Nachrichten angelehnte, gezielt in die Welt gesetzte Unwahrheiten, die sich meist ĂŒber soziale Medien verbreitenâ. In einer zweiten Bedeutung werde die Bezeichnung hingegen als âbeleidigender Ausdruck fĂŒr unliebsame Berichterstattung oder Medien, Ă€hnlich dem deutschen Ruf LĂŒgenpresseâ verwendet.cite-ref-4[4] Kuhla erklĂ€rte: âDie meisten Schöpfer und Verbreiter von Fake News verfolgen politische Ziele. Sie haben erkannt, dass sich Themen, die sehr emotional diskutiert werden, besonders gut dafĂŒr eignen, Stimmung zu erzeugen.â Sie bezog sich dabei auf Artikel aus der SĂŒddeutschen Zeitungcite-ref-5[5] sowie aus der Zeit,cite-ref-6[6] die diese Ansicht erlĂ€uternd begrĂŒnden.
Markus Appel (2019)cite-ref-0-7-0[7] hĂ€lt folgende Kerncharakteristika von Fake News fest: Eine Aussage oder die Darstellung eines Ereignisses wird in der Form eines journalistischen Beitrags prĂ€sentiert, obwohl sie nicht mit der Faktenlage ĂŒbereinstimmt, sondern bewusst fĂŒr politischen oder wirtschaftlichen Gewinn erfunden oder verfĂ€lscht wurde.
Fake News sind laut netzpolitik.org âbewusst falsch dargestellte Nachrichten mit dem Ziel, die Ăffentlichkeit fĂŒr bestimmte politische und/oder kommerzielle Ziele zu manipulierenâ, auch ein âAktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerillaâ, mit dem Journalisten gezielt zu falscher Berichterstattung verleitet werden sollen. Ein Beispiel sei der âDow-Chemical-Hackâ von The Yes Men im Jahr 2004. Den Autoren der Seite geht es aber auch um âautoritĂ€re Systemeâ, die âdie Debatte um Fake-News nutzen, um ihr nicht genehme Nachrichten zu unterdrĂŒcken. Die Debatte birgt groĂe Gefahren fĂŒr die Meinungs- und Pressefreiheit und kann zu Zensur fĂŒhren.âcite-ref-8[8]
Beisecker, Schlereth und Hein (2022)cite-ref-3-9-0[9] fassen in einer LiteraturĂŒbersicht der Wirtschaftsinformatik die Verwendung des Begriffs Fake News zusammen. Darin wird Fake News meist als erfundener Inhalt definiert, der manipulierende und meinungsbeeinflussende Absichten verfolgt. Die Studien operationalisieren Fake News ausschlieĂlich binĂ€r (wahr oder falsch) anhand der Faktenlage. Die Autoren zeigen, dass diese Definition zu kurz greifen kann und dass die Wahrnehmung von Informationen als Fake News auch durch manipulierende Argumentationstechniken beeinflusst werden kann. Hierbei studieren sie besonders den Einsatz von FehlschlĂŒssen (engl. fallacy), einer hĂ€ufig verwendeten Unterart manipulierender Argumentationstechniken. Jedoch wird nicht jeder Fehlschluss gleichermaĂen erkannt (Beisecker, Schlereth und Hein, 2023).cite-ref-3-9-1[9]
Die britische Zeitung The Guardian bezeichnet Fake News im engsten Sinne als Falschmeldungen, die glaubwĂŒrdigem Journalismus Ă€hneln, jedoch komplett frei erfunden sind, um ihre Leser zu tĂ€uschen und um damit fĂŒr Aufmerksamkeit, Weiterverbreitung und Werbeeinnahmen fĂŒr ihre Urheber zu sorgen. Im weiteren Sinne lade besonders das Internet dazu ein, Scheinwahrheiten zu verbreiten, die nicht komplett falsch, aber verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen sind; dazu gehöre auch Clickbaiting. Die Autorin rĂ€t deshalb zur Skepsis und zur Konzentration auf zuverlĂ€ssige Informationsquellen. Selbst satirisch gemeinte Postings, wie von The Onion, wĂŒrden von manchen Lesern als wahr angenommen und könnten in diesem Sinne ebenfalls als eine Art Fake News aufgefasst werden.cite-ref-10[10]
Die Stiftung Neue Verantwortung, die das PhĂ€nomen im Bundestagswahlkampf 2017 in Deutschland untersucht hat, versteht Fake News vor allem als Desinformation, âals Verbreitung von falschen oder irrefĂŒhrenden Informationen in der Absicht, einer Person, einer Organisation oder einer Institution zu schadenâ. Die Stiftung unterscheidet dabei zwischen ausgedachten, manipulierten und missinterpretierten Inhalten; Satire, journalistische Fehler und der Missbrauch von Fake News als politischer Kampfbegriff fallen nicht darunter. âMit einer viel geringeren Bedeutung von Social Media als Quelle von Nachrichten, einer weitaus weniger polarisierten politischen Landschaft und viel höherem Vertrauen in klassische Medienangebote scheint Deutschland weniger anfĂ€llig als die USA.âcite-ref-11[11]
Das bestĂ€tigt auch die Langzeitstudie Medienvertrauen am Institut fĂŒr Publizistik der Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz im Januar 2018.cite-ref-12[12] Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die âLĂŒgenpresse-Hysterieâ in Deutschland abebbt: âNach wie vor genieĂen der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tagespresse das Vertrauen von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Nur jeweils fĂŒnf Prozent sind ihnen gegenĂŒber grundsĂ€tzlich misstrauisch. Einen regelrechten Vertrauenssturz hat dagegen das Internet erlebt: Nur noch zehn Prozent der BĂŒrger halten Internet-Angebote im Allgemeinen fĂŒr vertrauenswĂŒrdig â das ist ein RĂŒckgang um 14 Prozentpunkte. Der Mehrheit ist offenbar bewusst, dass im Internet, das als Hybridmedium ganz unterschiedliche Angebote vereint, besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten ist, ob eine Quelle seriös ist. Nur etwa zwei bis drei Prozent halten Nachrichten in den Sozialen Netzwerken fĂŒr vertrauenswĂŒrdig.â Grund fĂŒr Letzteres sei, dass groĂe Mehrheiten von zwei Dritteln bis drei Vierteln der Deutschen Fake News und Hasskommentare als eine echte Gefahr fĂŒr die Gesellschaft sĂ€hen.
Andre Wolf, Pressesprecher des österreichischen Vereins zur AufklĂ€rung ĂŒber Internetmissbrauch Mimikama, sieht in einem Interview mit n-tv âFake News als Webseiten, die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfindenâ. Im amerikanischen Wahlkampf 2016 ging es den Autoren âhauptsĂ€chlich um Geldâ, also darum, Werbeeinnahmen ĂŒber Facebook und Google Adsense zu generieren; der politische Effekt, der dadurch entsteht, âdass die erfundene Nachricht reale Ăngste oder eine tatsĂ€chlich vorhandene Wut aufgreiftâ, war ihnen âvöllig egalâ. Im deutschsprachigen Bereich gebe es âhĂ€ufiger ideologisch geprĂ€gte Meldungen, die eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt sindâ. âDas Internet und die sozialen Netzwerke haben ⊠dafĂŒr gesorgt, dass Fake News eine stĂ€rkere Verbreitung bekommen haben. Und damit sind sie natĂŒrlich auch gefĂ€hrlicher geworden.âcite-ref-13[13]
⹠Information (or Influence) Operations: AktivitÀten von Regierungen oder nicht-staatlichen Organisationen mit dem Ziel, in- oder auslÀndische politische Stimmungen zu steuern.
⹠False News: Nachrichten, die vorgeben, korrekt zu sein, aber absichtliche Fehlinformationen transportieren, um Emotionen hervorzurufen, Aufmerksamkeit zu gewinnen oder zu tÀuschen.
⹠False Amplifiers: die koordinierte AktivitÀt von ge- und verfÀlschten Onlinekonten (Fake Accounts), mit der Absicht, politische Stimmungen verstÀrkend zuzuspitzen.
âą Desinformation: Fehlerhafte oder manipulierte Informationen und/oder Inhalte, die absichtlich verbreitet werden. Das kann falsche Nachrichten umfassen oder subtilere Methoden einschlieĂen, wie Operationen unter falscher Flagge, das Einschleusen falscher Zitate oder Narrative bei unwissenden Verbreitern oder die absichtliche VerstĂ€rkung von irrefĂŒhrenden Informationen.cite-ref-16[16]
Anfang 2017 wurde die Wendung Fake News von der âJury der Aktion Anglizismus des Jahresâ zum Anglizismus des Jahres 2016 gewĂ€hlt mit der BegrĂŒndung:
âDas Wort Fake News bezeichnete im Englischen schon Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich bewusste Falschmeldungen in Zeitungen. Zu einem stehenden Ausdruck wurde es aber erst ab dem Jahr 2000, vor allem zur Benennung satirischer Nachrichtenmagazine wie The Daily Show oder The Onion. Mit der zunehmenden Rolle der sozialen Medien wurde das Wort zur Bezeichnung fĂŒr erfundene Nachrichten (etwa Todesanzeigen von Prominenten), mit denen Menschen auf bestimmte Webseiten gelockt oder zu Unterhaltungszwecken in die Irre gefĂŒhrt werden sollten. In dieser Verwendung wurde es ab 2014 ins Deutsche entlehnt, konnte sich aber zunĂ€chst nicht gegen etablierte Wörter wie Hoax(-Meldung) behaupten. Der Durchbruch in den allgemeinen Sprachgebrauch erfolgte erst ab November 2016 im Zusammenhang mit einer Bedeutungsverschiebung hin zu politisch motivierten Falschmeldungen, die â angeblich â dem Kandidaten Donald Trump den Sieg im PrĂ€sidentschaftswahlkampf in den USA bescherten. [âŠ] Ăberzeugt hat die Jury an Fake News neben seiner ĂŒberwĂ€ltigenden und anhaltenden öffentlichen PrĂ€senz vor allem, dass es eine LĂŒcke im deutschen Wortschatz fĂŒllt, die ohne das Wort fake nicht ganz einfach zu schlieĂen ist. [âŠ]. Anders als falsch (oder das englische false) bezeichnet das Adjektiv fake bewusste, in TĂ€uschungsabsicht hergestellte Nachbildungen von Dingen [âŠ].â
â
Jury der Aktion Anglizismus des Jahres
Geschichte und Herkunft
Fake News dĂŒrften so alt sein wie Nachrichten und menschliche Kommunikation ĂŒber Ereignisse schlechthin und sind keineswegs eine Erfindung des Internetzeitalters. Dass Fake News unabhĂ€ngig vom Medium sind, mit dem sie ĂŒbertragen werden, macht ein frĂŒhes in Stein gemeiĂeltes Beispiel, die Schlacht von Kadesh (1274 v. Chr.), deutlich. Pharao Ramses II. verwandelte hierbei eine schwere Niederlage gegen die Hethiter in einen triumphalen Sieg und lieĂ diesen in einem monumentalen Relief darstellen.cite-ref-fane-18-0[18] Schon immer wurden Fake News also im Sinne der eigenen politischen Ziele instrumentalisiert.cite-ref-19[19] Nicht selten waren hierbei Minderheiten die Zielscheibe. So brachte 1475 der franziskanische Prediger Bernardino de Feltr die Fake News in Umlauf, Juden hĂ€tten ein zweijĂ€hriges Kind entfĂŒhrt, um dessen Blut beim Pessachfest zu trinken. Eine Falschmeldung, die Jahrhunderte ĂŒberdauern sollte.cite-ref-fane-18-1[18] In den amerikanischen Kolonien verbreitete Benjamin Franklin Falschmeldungen ĂŒber Massaker durch mörderische âskalpierendeâ Indianer, die mit König Georg III. zusammenarbeiteten, um die öffentliche Meinung zugunsten der amerikanischen Revolution zu beeinflussen.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Das VerhĂ€ltnis zwischen den europĂ€isch-stĂ€mmigen Siedlern und der Urbevölkerung wurde in Folge belastet: âObwohl es tatsĂ€chlich bis dahin nur relativ wenige Beispiele fĂŒr dieses grausame und meist tödliche Ritual gegeben hatte, wuchs das Skalpieren im Bewusstsein der (weiĂen) US-Bevölkerung zum Standard der Ureinwohner heran. WĂ€hrend der VerdrĂ€ngung der Indianer aus dem Mittleren Westen kam es zu unzĂ€hligen blutigen Grausamkeiten der Siedler gegen die Ureinwohner und umgekehrt.âcite-ref-22[22]
Fake News, die in tagesaktuellen Formaten verbreitet werden, gibt es seit der âPenny Pressâ der frĂŒhen 1800er Jahre. 1835 erschien in der New York Sun eine 6-teilige Serie ĂŒber Fledermausmenschen auf dem Mond, in Folge als âGreat Moon Hoaxâ bekannt geworden. Diese Meldung fĂŒhrte zu der bis dahin höchsten Zeitungsauflage weltweit. 1874 berichtete The Herald vom Ausbruch wilder Tiere aus dem Central Park Zoo, was zu panikartigen Szenen, aber auch zu groĂem finanziellen Erfolg fĂŒhrte. Hier tritt erstmals ein klassisches Motiv fĂŒr die Verbreitung von Fake News ans Licht: der finanzielle Profit. Im Zuge staatlicher Propaganda und Zensur wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs und mit dem Aufkommen der Public Relations in den 1920er Jahren entwickelten sich im Journalismus die âCodes of Conduct and Ethicsâ.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]
Den Herausgebern des Websterâs Dictionary zufolge gehen die AnfĂ€nge der Bezeichnung Fake News mindestens auf das Jahr 1890 zurĂŒck. Auf der Website des Verlagscite-ref-merriam-the-real-27-0[27] wird als Beispiel hierfĂŒr die Schlagzeile âSecretary Brunnell Declares Fake News About His People is Being Telegraphed Over the Countryâ genannt.cite-ref-net-029062-28-0[28]cite-ref-latimes-171009-29-0[29]
Verbreitung und Ursachen
Ende April 2017 veröffentlichte Facebook Inc. (heute: Meta Platforms) ein âWhitepaperâ, in dem sie feststellt, dass ihre Plattform fĂŒr gezielte Desinformationskampagnen benutzt wurde, zum Beispiel im US-PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2015/16 oder im Wahlkampf zur PrĂ€sidentschaftswahl in Frankreich 2017.cite-ref-30[30]
Nach einer Mitte Juni 2017 von der Internet-Sicherheitsfirma Trend Micro veröffentlichten Studiecite-ref-31[31] können die öffentliche Meinung beeinflussende Fake-News-Kampagnen, die geeignet sind, das Vertrauen in Institutionen zu zerstören, bei âDienstleisternâ im âDarknetâ bestellt werden: Eine Wahlbeeinflussung kostete nach Beispielen von chinesischen, englischsprachigen oder russischen Anbietern bis zu 400.000 US-Dollar, die Provokation von Protesten bis zu 200.000 und die Diskreditierung einer Journalistin beispielsweise bis zu 50.000 US-Dollar.cite-ref-tagesschau-de-13-6-017-32-0[32]
GemÀà einer Studie des Oxford Internet Instituts zur Verbreitung von âJunk Newsâ in den sozialen Medien in Europa und den USA kam bei der US-PrĂ€sidentschaftswahl 2016 auf jeden Link zu einer professionellen Nachrichtenquelle ein Link zu âJunk Newsâ.cite-ref-bradshaw-sourcing-33-0[33]
Die russische Propaganda dient dem politischen Ziel Russlands, im liberalen Ausland âdas Vertrauen der BĂŒrger in die Sicherheit des Landesâ zu erschĂŒttern (Gerassimow-Doktrin) und damit âdie Demokratie zu schwĂ€chenâ.cite-ref-34[34] Nach Meinung in der Neuen ZĂŒrcher Zeitung (NZZ) konzentrierten sich âdie russischen Trolls (vor den US-Midterms 2018) offenbar nicht mehr auf die Herstellung von Fake-News, sondern zusehends darauf, Inhalte von rechts- oder linksextremistischen Seiten möglichst weit zu verbreiten â mit der Absicht, die gesellschaftliche Polarisierung zu verstĂ€rkenâ.cite-ref-nzzzurpolarisierung-35-0[35] Die Verbreitung dieser Desinformation kann auch auf wachsende LegitimitĂ€tsprobleme in vielen Demokratien zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Schwindendes Vertrauen der BĂŒrger in Institutionen untergrĂ€bt die GlaubwĂŒrdigkeit offizieller Informationen in den Nachrichten und öffnet die Ăffentlichkeit fĂŒr alternative Informationsquellen.cite-ref-36[36]
Social Bots
âSocial Botsâ, Computerprogramme, die in den letzten Jahren vermehrt in sozialen Netzwerken eingesetzt werden, sind ein entscheidendes Hilfsmittel bei der Verbreitung von Fake-News.cite-ref-37[37] In der wissenschaftlichen Literatur und der Presse werden nur wenige Belege fĂŒr den Einfluss von Social Bots gefĂŒhrt. Immerhin gibt es Beispiele, bei denen sich dieser Einfluss klar bemerkbar macht: Das sind die Protestbewegung in der Ukraine 2013/2014, der Verlauf der Brexit-Abstimmung in GroĂbritannien 2016cite-ref-38[38] sowie der Verlauf der US-PrĂ€sidentschaftswahl 2016.cite-ref-bradshaw-sourcing-33-1[33] Im US-PrĂ€sidentschaftswahlkampf wurden 20 % der Tweets auf der Plattform Twitter durch Social Bots erstellt. WĂ€hrend der Ukraine-Proteste wurden tĂ€glich durchschnittlich etwa 60.000 Tweets von 15.000 Bots verbreitet.cite-ref-39[39]
Soziale Medien als politische Informationsquellen
In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Fake News besonders gut, da sich erstere in der digitalen Welt zu einer bevorzugten politischen Informationsquelle entwickelt haben. Das liegt zunĂ€chst an niedrigeren Kosten, da der Produzent der Fake News hierfĂŒr keine eigenen Server betreiben muss. Der fĂŒr den Gebrauch von âNewsfeedsâ auf Smartphones und Tablets sehr begrenzt verfĂŒgbare Speicherplatz erhöht einerseits die Lesbarkeit und damit die AttraktivitĂ€t der angebotenen Texte, die griffig formuliert sein mĂŒssen und auf die praktisch jederzeit zugegriffen werden kann. Zum anderen verhindert diese Tatsache aber auch die Weitergabe von oft notwendigem Hintergrundwissen und damit die ĂberprĂŒfung ihres Wahrheitsgehalts.cite-ref-40[40] In einer 2018 in Science veröffentlichten Studie wurden mehr als 4,5 Millionen von Twitter zur VerfĂŒgung gestellte Tweets von etwa 3 Millionen Usern zu rund 126.000 verschiedenen Nachrichten aus den 7 Themenbereichen Politik, moderne Sagen, Wirtschaft, Terrorismus, Wissenschaft, Unterhaltung und Naturkatastrophen ĂŒber einen Zeitraum von 11 Jahren ausgewertet. Die Wissenschaftler kamen zu der Erkenntnis, dass sich falsche, vorwiegend politische Informationen auf Twitter mit wesentlich gröĂerer Reichweite und Geschwindigkeit verbreiten als wahre Informationen. Bei der Weitergabe spielen bots offenbar keine signifikante Rolle, sondern eher unerfahrene, von der Neuigkeit der Falschmeldungen beeindruckte User.cite-ref-41[41]
Verhaltensökonomische ErklÀrung
Die Verbreitung von Fake News besonders in den sozialen Netzwerken folgt verhaltensökonomischen Mustern. In der psychologischen Forschung sind eine Reihe kognitiver Verzerrungen bekannt, die Einfluss darauf nehmen, wie Rezipienten auf Nachrichten und Informationen reagieren beziehungsweise diese verarbeiten:
âą GemÀà dem âConsistency Biasâ wirken Informationen, die die eigene Meinung bekrĂ€ftigen, glaubhafter als solche, die in Konflikt zu dieser stehen.cite-ref-2-42-0[42]cite-ref-0-7-1[7]
âą Der Wahrheitseffekt (englisch Illusory Truth Effect) besagt, dass Informationen, die bereits mehrfach wahrgenommen wurden, glaubhafter wirken als fremde Informationen, selbst wenn diese unplausibel wirken.cite-ref-2-42-1[42]cite-ref-0-7-2[7]
âą Die VerfĂŒgbarkeitsheuristik beschreibt, wie Menschen eine These beurteilen, ohne sich genĂŒgend Zeit fĂŒr deren ĂberprĂŒfung zu nehmen. Fake News werden auĂerdem eher als wahr erachtet, wenn sie frisch im GedĂ€chtnis verankert wurden.cite-ref-43[43] In diesem Zusammenhang stellte die UniversitĂ€t Passau Untersuchungen im Hinblick auf den Third-Person-Effekt an.cite-ref-44[44]
Mit diesen heuristischen Methoden werden die Fake News bei vorwiegend ungebildetencite-ref-45[45] Personen im GedÀchtnis verankert, die in isolierten Gruppen Gleichgesinnter, denen sie vertrauen, unterwegs sind.cite-ref-46[46]
Bei Fake News liegen asymmetrische Informationen vor,cite-ref-47[47] da ihr Produzent besser informiert ist als ihr EmpfĂ€nger (Prinzipal-Agent-Problematik). Der EmpfĂ€nger ist sich oft der schlechten QualitĂ€t der Fake News nicht bewusst, der Produzent schon. âEchteâ Nachrichten sind in ihrer Produktion und Vermittlung auĂerdem aufwendiger als Fake News, letztere sind eher in einer einfachen Sprache verfasst.cite-ref-48[48]
Intraindividuelle Risikofaktoren
In einer Studie von Guess et al. (2019)cite-ref-51[51] wurden US-amerikanische Probanden, die in sozialen Netzwerken Informationen von Fake-News-Websites teilten, hinsichtlich diverser demografischer und psychologischer Variablen untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Personen politisch eher den konservativen Republikanern zugeordnet werden konnten. Hinsichtlich des Geschlechts, des Bildungsgrades und des Einkommens konnten keine signifikanten Unterschiede gefunden werden. Signifikante Unterschiede ergab jedoch die Untersuchung des Alters: Personen im Alter ab 65 Jahren teilten Fake News im Durchschnitt sieben Mal hĂ€ufiger als Personen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Dieses Ergebnis blieb auch unter statistischer Kontrolle anderer Einflussfaktoren signifikant. Die Autoren schlussfolgerten aus diesen Erkenntnissen, dass insbesondere Ă€ltere Social-Media-Nutzer mangelhafte Kompetenzen im Umgang mit Fake News besĂ€Ăen, da ihr Medienkonsumverhalten im Unterschied zu jĂŒngeren Nutzern eine lĂ€ngere Zeit durch qualitativ hochwertigen Journalismus gekennzeichnet sei. Die FĂ€higkeit einer kritischen Reflexion von Medieninhalten sei daher möglicherweise durch die QualitĂ€t der Berichterstattung weniger ausgeprĂ€gt gefördert worden als bei jĂŒngeren Nutzern.
Folgen
Negative gesellschaftliche Folgen
Da eine funktionierende Demokratie von einer gut informierten Bevölkerung abhĂ€ngig ist, fĂŒhrt das Verbreiten von Falschinformationen durch Fake News nicht nur dazu, dass Menschen falsch informiert sind, sondern kann darĂŒber hinaus auch schwerwiegende Folgen fĂŒr die komplette Gesellschaft haben. So fĂŒhrte z. B. in der Vergangenheit die Verbreitung von Falschinformationen ĂŒber das Impfen dazu, dass Eltern ihre Kinder nicht impfen lieĂen, wodurch es zu einem deutlichen Anstieg vermeidbarer Erkrankungen kam. Neben derart direkten Folgen bestehen aber noch weitere gesellschaftliche Risiken. So gibt es Belege, dass die Verbreitung von Falschinformationen bei manchen Menschen dazu fĂŒhrt, dass sie generell aufhören, an die Existenz von Fakten zu glauben. Dies kommt insbesondere dann vor, wenn die Falschinformationen zusammen mit Verschwörungstheorien verbreitet werden.cite-ref-52[52]
Mitunter können Fake News direkt dazu fĂŒhren, dass Menschen ums Leben kommen. So fĂŒhrten beispielsweise in Indien Falschmeldungen ĂŒber KindesentfĂŒhrungen zu mehreren Lynchmorden.cite-ref-nzzzurpolarisierung-35-1[35] Im Iran fĂŒhrte die Verbreitung von Fake News dazu, dass wĂ€hrend der COVID-19-Pandemie eine vierstellige Zahl an Menschen eine Methanolvergiftung erlitten, nachdem sie in Social Media gehört hatten, dass das Trinken von Methanol vor der Krankheit schĂŒtze. Hunderte Menschen starben an der Vergiftung, andere erblindeten oder erlitten sonstige GesundheitsschĂ€den.cite-ref-53[53]
Anfeindungen
Medien berichten von Anfeindungen gegen Wissenschaftler und Journalisten, die mit wissenschaftlichen Fakten gegen Fake News vorgegangen waren. Hierbei geht es unter anderem um Beschimpfung, Diffamierung, Bedrohung sowie â besonders bei Frauen â sexuelle Diffamierung bis hin zu âVergewaltigungsfantasienâ. In Deutschland wurde eine bundesweite Anlaufstelle gegrĂŒndet, die Personen berĂ€t und unterstĂŒtzt, die aufgrund ihrer Wissenschaftskommunikation Opfer von digitaler Gewalt, Hassrede oder Medienkampagnen geworden sind.cite-ref-54[54]
Wirtschaftlicher Schaden durch Fake News
Ein Beispiel fĂŒr einen wirtschaftlichen Schaden ist der Absturz der Baukonzern-Aktie Vinci 2016: Die französische Firma verlor kurzzeitig 18 % ihres Werts. Grund war die gefĂ€lschte Pressemitteilung, dass der Konzern seine Bilanzen fĂŒr die Jahre 2015 und 2016 ĂŒberarbeiten mĂŒsse und daraufhin der Finanzchef entlassen worden sei. Diese Mitteilung stellte sich im Nachhinein als falsch heraus und fĂŒhrte dazu, dass die Börsenaufsicht AutoritĂ© des marchĂ©s financiers (AMF) ermittelte.cite-ref-55[55]
Ein weiteres Beispiel ist der rasante Anstieg der Aktie des Unternehmens Cynk 2014: Mithilfe sozialer Netzwerke und Bots konnte der Aktienkurs in die Höhe getrieben werden; ein weiterer Grund waren die Trading-Algorithmen, welche die GerĂŒchte rund um das Unternehmen als relevant erachteten und daraufhin dessen Aktie kauften. Die Aktie erreichte das 200-Fache ihres Ursprungswerts, was dazu fĂŒhrte, dass das Unternehmen innerhalb kĂŒrzester Zeit sechs Mrd. Dollar wert war, bis der Verkauf der Aktie ausgesetzt wurde, was wiederum zu Verlusten bei den Anlegern fĂŒhrte.cite-ref-56[56]
Ein falscher Tweet ĂŒber eine angebliche Explosion, bei der Barack Obama zu Schaden gekommen sein sollte, verursachte 2013 einen Börsenverlust von ca. 130 Milliarden US-Dollar.cite-ref-57[57]
GegenmaĂnahmen
Die EuropÀische Union hat als Ergebnis der im September 2015 eingerichteten East StratCom Task Force, einer EU-Kommissions-Arbeitsgruppe zur Verfolgung und Analyse von aus Russland nach Europa strömenden Desinformationen, die Disinformation Revue erstelltcite-ref-58[58] und eine entsprechende Homepage geschaltet.cite-ref-59[59] Die East StratCom Task Force identifizierte in 20 Monaten 3.200 Falschmeldungen.cite-ref-tagesschau-de-13-6-017-32-1[32]
Am 12. MĂ€rz 2018 legte die im Januar des Jahres von der EU eingesetzte unabhĂ€ngige âExpertengruppe fĂŒr Fake News und Desinformationâ, der 29 Medien- und Hochschul-Vertreter angehören, der zustĂ€ndigen EU-Kommissarin Marija Gabriel einen ersten Bericht vor. Die Vorsitzende Madeleine de Cock Buning stellte fest, dass man aufgrund mangelnder TrennschĂ€rfe nicht mehr den Begriff âFake Newsâ verwenden wolle; es gehe um bewusst gestreute Falschnachrichten und nicht um Satire oder Fehler, auch nicht um Zensur. Insgesamt solle eine entsprechende Manipulation der Europawahl 2019 verhindert werden.cite-ref-60[60]
Internetportale wie mimikama.org oder politifact.com ĂŒberprĂŒfen auf Anfrage oder in eigener Recherche entsprechende Aussagen bzw. Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt und unterziehen sie âFaktenchecksâ. In Deutschland startete im Jahr 2017 die ARD mit einem eigenen Portal namens faktenfinder unter der FederfĂŒhrung von Patrick Gensing auf der Domain von tagesschau.de,cite-ref-63[63] wĂ€hrend der Bayerische Rundfunk das Portal faktenfuchs betreibt.cite-ref-64[64] Spiegel Online stellt zwei Checklisten zur Erkennung der Produkte von Social Bots und Fake News zur VerfĂŒgung.cite-ref-65[65]
BundeslĂ€nder in Deutschland stellen eigene AufklĂ€rungskampagnen und Lerneinheiten zur Förderung der Medienkompetenz bei SchĂŒlern und Erwachsenen zur VerfĂŒgung. In der Schweiz stellt der Nachfolger des klassischen Schulfernsehens, das Portal mySchool, Unterrichtseinheiten zur VerfĂŒgung.cite-ref-66[66] In Deutschland wird das Portal So geht Medien vom BR fĂŒr die öffentlich-rechtlichen Anstalten gepflegt nebst dem Angebot der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung.cite-ref-67[67]
Zur Korrektur von GerĂŒchten und Falschmeldungen, die von Schleusern in der Absicht verbreitet werden, Migranten nach Deutschland zu locken (z. B. âDeutschland schenkt jedem FlĂŒchtling ein Hausâ), betreibt die Bundesregierung seit dem 23. Oktober 2017 die Internetseite RumoursAboutGermany.info in Arabisch, Französisch und Englisch.cite-ref-68[68]
Die BĂŒchereizentrale Schleswig-Holstein bietet mit der Internetseite diefakehunter.de ein Informationsangebot zu Fake News, das sich an Kinder und Jugendliche richtet.cite-ref-69[69]
Soziale Netzwerke
Siehe auch
:
Kritik an Facebook #Inhalte und Inhaltskontrollen
Es gibt Bestrebungen, Fake News in sozialen Netzwerken zu verhindern oder zu kennzeichnen; in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Recherche und dem journalistischen Portal Correctiv will z. B. Facebook in einem Testlauf entsprechende Meldungen auch in Deutschland kennzeichnen.
Erkennung von Fake News auf Facebook
Da das Unternehmen selbst den Wahrheitsgehalt von Inhalten (âPostingsâ) nicht prĂŒfen könne oder wolle, arbeitet es in den Vereinigten Staaten mit Firmen und Organisationen zusammen, die den Poynters International Fact-Checking Code of Principles (dt. âPoynters Kodex ĂŒber internationale Fakten-Check-Prinzipienâ) unterzeichnet haben, z. B. Snopes, Politifact, FactCheck.org und ABC News.cite-ref-zeit-de-15-1-017-70-0[70]
Im April 2017 gab Facebook eine Pressemitteilung zum Thema Desinformation heraus, in der konkrete Anhaltspunkte dafĂŒr genannt werden, wie man Fake News auf der Plattform erkennen könne. Facebook nennt die drei Hauptbereiche, in denen es gegen Falschnachrichten vorgehen wolle: das BekĂ€mpfen wirtschaftlicher Anreize, da die meisten Falschmeldungen finanziell motiviert seien, das Entwickeln neuer Produkte, um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudĂ€mmen, und die UnterstĂŒtzung der Nutzer, fundierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie auf Falschmeldungen stoĂen.cite-ref-71[71]
Staatliche Regulierung in Deutschland und anderen europÀischen LÀndern
Ăber die Regulierung von Fake News wird Ende der 2010er Jahre viel diskutiert. Der Spielraum der Gesetzgeber ist ziemlich weitlĂ€ufig. Die momentane Regelung sieht vor, dass ein zivilrechtliches Verfahren nur dann möglich ist, wenn individuelle Personen betroffen sind. Diese Tatsache zeigt, dass es aktuell groĂe LĂŒcken in der Rechtsverfolgung gibt. Allerdings ist eine Regulierung sehr schwierig, da darauf zu achten ist, dass es nicht zu einer Zensur kommt. Die Meinungsfreiheit muss auf jeden Fall geschĂŒtzt sein.cite-ref-72[72]
Deutschland
Die Bundesregierung hat im FrĂŒhjahr 2017 mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) einen Gesetzentwurf erarbeitet, welcher sich mit der Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken befasst.cite-ref-73[73]
VerbĂ€nde, Verlage und Politiker kritisieren das Gesetz gegen Hate Speech und Fake News. So bemĂ€ngelten etwa der Bundesverband Bitkom und der Deutsche Journalisten-Verband, die Ursachen strafbarer Hetze wĂŒrden auĂer Acht gelassen und die Meinungsfreiheit eingeschrĂ€nkt. Politiker stellten fest, dass Facebook nicht qualifiziert sei, zu beurteilen, ob ein strittiger Beitrag rechtswidrig sei.cite-ref-74[74]
Das deutsche Strafrecht kennt keinen expliziten Fake-News-Tatbestand. Die Verbreitung derartiger Falschmeldungen fĂ€llt je nach Angriffsrichtung in den Anwendungsbereich klassischer TatbestĂ€nde. Dazu zĂ€hlen insbesondere die Verleumdung (§ 186 StGB), die ĂŒble Nachrede (§ 187 StGB), die Volksverhetzung (§ 130 StGB), die falsche VerdĂ€chtigung (§ 164 StGB) oder die Marktmanipulation (§ 119 Abs. 1, § 120 Abs. 15 Nr. 2 WpHG).cite-ref-1-75-0[75] Vereinzelt werden in der Literatur StrafbarkeitslĂŒcken im Ehrschutz und im Wahlstrafrecht gesehen.cite-ref-1-75-1[75]
Tschechische Republik
Die Tschechische Republik hat am 1. Januar 2017 ein neues Abwehrzentrum gegen Fake News eingesetzt. Das neue Zentrum gegen Terrorismus und hybride Gefahren, kurz CTHH, hat rund 20 Mitarbeiter. Dieses Zentrum ist Teil des Innenministeriums und soll nicht als Geheimdienst angesehen oder fĂŒr die Vollstreckung von Gesetzen genutzt werden. Es dient nicht zur Verbreitung von Propaganda und soll gezielt ĂŒber Fake News informieren.cite-ref-76[76]
Ungarn
Mit dem Notstandsbeschluss zur Covid-19-Pandemie kam eine neue Bestimmung gegen Fake News ins ungarische Strafgesetzbuch. Der neue Paragraph 337 stellt es unter Strafe von bis zu drei Jahren Haft, wenn jemand wĂ€hrend eines Ausnahmezustands âfalsche oder verzerrte Faktenâ vor groĂer Ăffentlichkeit so verbreitet, dass bei einer gröĂeren Zahl von Menschen âUnruhe verbreitetâ wird. Bis fĂŒnf Jahre Haft drohen, wenn dies auf eine Weise erfolgt, die geeignet ist, âden Erfolg der Verteidigung zu verhindern oder zu vereitelnâ. âDiese Strafbestimmung ist angemessen und notwendig, um Desinformationskampagnen zu bekĂ€mpfenâ, sagte Justizministerin Judit Varga dazu.cite-ref-77[77]
Frankreich
Die Verbreitung von Fake News kann in Frankreich bestraft werden, worauf die staatliche Commission Nationale de ContrÎle de la Campagne électorale vor den PrÀsidentschaftswahlen 2017 hinwies.cite-ref-78[78]
InterventionsmaĂnahmen
Um Fake News selbst zu erkennen und dagegen vorzugehen, gibt es verschiedene InterventionsmaĂnahmen:
Debunking
Beim Debunking werden Fake News durch eine tatsachenbasierte Information widerlegt.cite-ref-79[79] Das âThe Debunking Handbook 2020â schlĂ€gt dafĂŒr folgende Schritte vor:
âą Die richtige Information nennen, um direkt zu Beginn klarzustellen, was richtig ist.
⹠Vor den falschen Informationen warnen, die im nÀchsten Schritt folgen.
⹠Den Irrtum, der den Fake News zugrunde liegt, erklÀren.
âą Nochmals die richtige Information nennen, damit der Adressat sich an sie erinnert.cite-ref-80[80]
FĂŒr erfolgreiches Debunking hat es sich als sinnvoller erwiesen, die korrekten Fakten zu betonen, anstatt ausfĂŒhrlich auf die falschen Aussagen einzugehen.cite-ref-81[81] Wenn die Falschinformation auch nach der Korrektur Einfluss auf den Rezipienten hat, nennt man das Continued Influence Effect.cite-ref-82[82]
Prebunking (auch Inoculation genannt)
Prebunking, aufbauend auf der Inoculation Theory,cite-ref-83[83] funktioniert wie eine Art Impfung, indem ein Adressat mit einer geringen Dosis Fake News konfrontiert wird, die ihn veranlasst, seine Ansichten mit passenden Gegenargumenten zu verteidigen. Diese Technik soll zu erhöhter WiderstandsfĂ€higkeit bei wiederholter Konfrontation mit Fake News fĂŒhren.cite-ref-84[84] Empirisch hat sich gezeigt, dass Prebunking oder Inoculation hilft, eigene Ăberzeugungen vor Ă€uĂeren EinflĂŒssencite-ref-85[85] und damit auch gegenĂŒber Fake News zu schĂŒtzen.cite-ref-86[86]
Diese Technik wird auch in den Online-Spielen âgo viralâcite-ref-87[87] oder âgetbadnewsâ angewendet,cite-ref-88[88] wobei der Spieler die Rolle ĂŒbernimmt, möglichst viele Fake News zu verbreiten. Dabei soll der Spieler die Fake News möglichst glaubhaft machen, zum Beispiel durch Emotionalisierung oder durch AnknĂŒpfen an vorhandene Verschwörungstheorien. Dadurch soll der Spieler hinterher bestimmte Fake News besser erkennen. Im Gegenteil zum Debunking gegen einzelne Falschinformationen bietet das Prebunking AufklĂ€rung ĂŒber grundlegende Strategien gegen eine breite Palette von Fake News.cite-ref-89[89]
Gegenrede
â
Hauptartikel
:
Gegenrede
Gegenrede ist die aktive Reaktion auf Fake News und wird vor allem auf sozialen Netzwerken betrieben. Hier wird versucht, irrefĂŒhrende Argumentationsstrategien mit Hilfe von faktenbasierten Argumenten aufzudecken.cite-ref-90[90]
Die Wirkung von Gegenrede ist empirisch noch nicht ausreichend erforscht; es gibt aber Hinweise darauf, dass Gegenrede depolarisierend wirken kann und zur Verringerung von Meinungsverschiedenheiten in Kommentarspalten beitragen kann.cite-ref-91[91]
Fact-Checking
Siehe auch
:
Faktencheck
Beim Fact-Checking werden Aussagen mit Hilfe von gesicherten Fakten ĂŒberprĂŒft.cite-ref-92[92] Empirisch hat sich gezeigt, dass Fact-Checking nur geringen Einfluss auf vorgefasste Ăberzeugungen hat und nur wenig zur Korrektur von Fake News beitrĂ€gt. Es kann aber tatsachenbasierte Meinungen unterstĂŒtzen und so dem Einfluss durch Fake News vorbeugen.cite-ref-93[93]
ĂberprĂŒfung von Nachrichten
Anhand bestimmter Kriterien können Nachrichten und deren Verbreiter beurteilt werden und die Ergebnisse dieser Bewertung Internetnutzern zur VerfĂŒgung gestellt werden.cite-ref-94[94]
Laut einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Studie, fĂŒr die im MĂ€rz 2023 mehr als 13.000 Menschen in der EU reprĂ€sentativ befragt wurden, waren 54 Prozent der befragten EU-BĂŒrger hĂ€ufig oder sehr hĂ€ufig verunsichert, wenn ihnen Informationen im Internet begegnen. Nur 44 Prozent gaben an, schon einmal Informationen aus dem Internet ĂŒberprĂŒft zu haben. 86 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die Politik mehr gegen die Verbreitung von Desinformation unternehmen solle.cite-ref-95[95]
Beispiele
Russland
RegierungsabhĂ€ngige Medien behaupteten die angebliche Kreuzigung eines Jungen durch ukrainische MilitĂ€rs,cite-ref-96[96] instrumentalisierten fremdenfeindliche Stimmungen im âFall Lisaâ und verbreiteten Falschinformationen rund um den Abschuss von MH17.
Vereinigte Staaten von Amerika
Auf rassistischen Internetforen gefundene gefĂ€lschte FBI-Statistiken ĂŒber angeblich von Schwarzen an weiĂen Frauen verĂŒbte Vergewaltigungen veranlassten den 21-jĂ€hrigen Dylann Roof im Juni 2015 zu einem rassistisch motivierten Massaker an afroamerikanischen KirchgĂ€ngern in Charleston / South Carolina.cite-ref-97[97] âPolitisch folgenreicher waren die fake news, die Donald Trump produzierte, als er sich zum ersten Mal in die Politik wagte: Als AnfĂŒhrer der sogenannten Birther-Bewegung behauptete er, Barack Obama sei nicht in den USA geboren und folglich nicht berechtigt, US-PrĂ€sident zu sein ⊠(damit) trug die Birther-Bewegung dazu bei, dass ein Teil der Nation Obama immer noch als unamerikanisch und illegitim abschrieb â und alles dafĂŒr tat, dass er möglichst wenig politisch umsetzen konnte.âcite-ref-98[98]
In den USA wird insbesondere das Breitbart-News-Netzwerk mit Fake News in Verbindung gebracht. Bekannte FĂ€lle waren etwa 2009 die sogenannte âACORN-Demontageâ, 2013 die sogenannte âFriends of Hamasâ-Kampagne.
Im Vorfeld der PrĂ€sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 hielten einige Kommentatoren es fĂŒr problematisch, dass zahlreiche frei erfundene Falschmeldungen auf Facebook unter den Nutzern verbreitet wurden.cite-ref-nyt141116-99-0[99] Ăber die demokratische Kandidatin Hillary Clinton wurden zahlreiche Fake News verbreitet, die sie mit Satanismus, PĂ€dophilie, Morden und anderen Themen in Verbindung bringen sollten.cite-ref-nyt171216-100-0[100] So war ein Pizzarestaurant in Washington unter dem Stichwort Pizzagate zum Gegenstand einer Verschwörungstheorie gegen Hillary Clinton und ihr Wahlkampfteam geworden.cite-ref-101[101] Daraufhin ĂŒberfiel ein 28-jĂ€hriger, mit Kampfgewehren bewaffneter Mann dieses Restaurant, um von einem angeblichen Kinderpornoring Clintons dort festgehaltene Kinder zu befreien. Nach einer Studie des Pew Research Centers nutzen 44 % der erwachsenen amerikanischen Bevölkerung Facebook als Nachrichtenquelle.cite-ref-102[102] Die Nutzerkonten von angeblichen Nachrichtenredaktionen teilten ihren Lesern auf Facebook etwa mit, dass beispielsweise Papst Franziskuscite-ref-nyt141116-99-1[99] oder die Amischen Gemeinden der USA den Kandidaten und spĂ€teren PrĂ€sidenten Donald Trump unterstĂŒtzen wĂŒrden.cite-ref-103[103]
Möglich war das, weil das Unternehmen Facebook zwar den Nachrichtenfluss zwischen seinen Nutzern ĂŒberwacht, aber die Inhalte keiner redaktionellen Kontrolle unterzieht. VerschĂ€rfend kam hinzu, dass spektakulĂ€re Falschmeldungen mehr Leser anziehen, was von Facebook automatisch registriert wurde und den Stellenwert der Falschmeldung bei den NachrichtenvorschlĂ€gen fĂŒr andere Nutzer kĂŒnstlich erhöhte.cite-ref-104[104]
Durch die AusschĂŒttungen von Werbeeinnahmen an die Urheber populĂ€rer Falschmeldungen durch die Netzwerke scheint ein Teil des PhĂ€nomens auf solche Meldungen zurĂŒckzufĂŒhren zu sein, die von Personen ohne politisches Interesse, allein mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, verfasst wurden. So erlangte die Stadt Veles in Mazedonien 2016 internationale Bekanntheit, weil BĂŒrger dieser Stadt das Betreiben von Webseiten mit Fake News beim US-Wahlkampf zu einem GeschĂ€ft gemacht hatten.cite-ref-105[105]cite-ref-nyt171216-100-1[100] Ăhnliche Probleme zeigten sich beim Internetkonzern Google, bei dem Falschmeldungen mit Wahlkampfbezug als empfohlene Nachrichteninhalte angezeigt wurden.cite-ref-106[106]
So erfand etwa ein US-Amerikaner in der Endphase des Wahlkampfes im September 2016 eine Meldung, nach der zehntausende zugunsten der Kandidatin Clinton vorausgefĂŒllte Wahlzettel, nebst Wahlurnen, in einem Lagerhaus in Ohio gefunden wurden. Er platzierte die Meldung auf einer eigenen InternetprĂ€senz, die er zu dem Zweck angemietet und im Stil einer Nachrichtenseite gestaltet hatte, und versah die Meldung mit einem Archivfoto, das er ĂŒber eine Suchmaschine im Internet gefunden hatte. Er erreichte so, dass seine Meldung von rund sechs Millionen Nutzerkonten in Sozialen Netzwerken geteilt wurde, was in kurzer Zeit etwa 5.000 US-Dollar an Werbeeinnahmen generierte.cite-ref-107[107]
â
Hauptartikel
:
Haustierverzehr-LĂŒge ĂŒber haitianische Immigranten in Springfield (Ohio)
Der PrĂ€sidentschaftskandidat der Republikanischen Partei Donald Trump behauptete im Rahmen der PrĂ€sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 in der Debatte mit Kamala Harris auf ABC fĂ€lschlicherweise, dass Migranten aus Haiti in Springfield (Ohio) die Haustiere der dortigen Einwohner essen wĂŒrden.cite-ref-108[108] In der Folge kam es zu mindestens 33 Bombendrohungen gegen Institutionen in dem Ort, wie der Gouverneur von Ohio, Mike DeWine, berichtete.cite-ref-109[109]
Deutschland
Anfang 2016 sorgte insbesondere der âFall Lisaâ fĂŒr diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Russland sowie ein Ă€hnlich gelagerter erfundener Vorwurf in Litauen gegenĂŒber Bundeswehrsoldaten im Februar 2017.cite-ref-110[110] Ein gefĂ€lschtes Zitat von Renate KĂŒnast unter falscher Quellenangabe fĂŒhrte zu juristischen Auseinandersetzungen.cite-ref-111[111] Im Kontext der FlĂŒchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 stand auch die Anfang 2016 von einem Helfer erfundene Meldung ĂŒber einen FlĂŒchtling, der in Folge der langen Wartezeiten und UmstĂ€nde am Berliner LAGESO verstorben sei.cite-ref-112[112] Der syrische FlĂŒchtling Anas M., der durch ein Selfie mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich bekannt wurde, erwirkte eine Klage gegen Facebook vor dem Landgericht WĂŒrzburg, nachdem er dort unter anderem als âTerroristâ verunglimpft worden war.cite-ref-113[113] Ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen VerfĂŒgung gegen Facebook wurde zurĂŒckgewiesen.cite-ref-114[114] Zu Silvester 2016 wurde von Breitbart die Meldung verbreitet, eine Kirche in Dortmund sei von tausend MĂ€nnern, die âAllahu Akbar!â gerufen hĂ€tten, in Brand gesteckt worden.cite-ref-115[115]
Nach den EnthĂŒllungen zur möglichen Rolle von Falschmeldungen im Zusammenhang mit Donald Trumps PrĂ€sidentschaftswahlkampf zur PrĂ€sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 forderten verschiedene Politiker Konsequenzen sowohl fĂŒr die Verfasser von Falschmeldungen als auch fĂŒr die sozialen Netzwerke, die fĂŒr ihre Verbreitung sorgten. Deutschlands damaliger Justizminister Heiko Maas wies darauf hin, dass bei ĂŒbler Nachrede und Verleumdung einer Person des öffentlichen Lebens bis zu fĂŒnf Jahre Freiheitsstrafe drohen. Martin Schulz, damaliger PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Parlamentes, drohte mit einer entsprechenden europĂ€ischen Gesetzgebung, sollten die Konzerne die Verbreitung von Falschmeldungen nicht von sich aus stoppen.cite-ref-116[116] Das Bundesinnenministerium unter Thomas de MaiziĂšre plante laut Spiegel ein âAbwehrzentrum gegen Desinformationskampagnenâ: âDa der Schwerpunkt bei der Ăffentlichkeitsarbeit liegt, sollte die FederfĂŒhrung fĂŒr diese zu schaffende BĂŒndelungseinheit beim Bundeskanzleramt (Bundespresseamt) angesiedelt werden.â Als besonders anfĂ€llige Bevölkerungsgruppen werden âRusslanddeutscheâ sowie âtĂŒrkischstĂ€mmige Menschenâ ausgemacht, bei denen laut dem Vorschlag eine âIntensivierung der politischen Bildungsarbeitâ erfolgen solle. Zudem lege das Bundesinnenministerium den Parteien nahe, sich noch vor den nĂ€chsten Landtagswahlen auf Grundregeln des Wahlkampfes und gegen den Einsatz von Social Bots und Fake News zu einigen: âDie Akzeptanz eines postfaktischen Zeitalters kĂ€me einer politischen Kapitulation gleich.âcite-ref-117[117]
Nach der Ende MĂ€rz 2018 veröffentlichten Studie âFakten statt Fakesâ der Stiftung Neue Verantwortung hatten Falschnachrichten im Zusammenhang mit dem Bundestagswahlkampf 2017 im Vergleich zur Reichweite von Nachrichten klassischer Medien eine geringere Wirkung als teilweise angenommen. Die Studie zeigte jedoch, dass âRechtspopulismusâ die âEchokammernâ âsozialer Medienâ strategisch nutze und die Verbreitung falscher Inhalte gezielt betreibe.cite-ref-118[118]
Ăsterreich
In Ăsterreich hat der Journalist Florian Klenk im MĂ€rz 2017 Klage gegen die niederösterreichische Landesorganisation der Ăsterreichischen Volkspartei und ihren GeschĂ€ftsfĂŒhrer eingereicht, da diese seine Berichterstattung ĂŒber die Dr. Erwin Pröll Privatstiftung als âFake Newsâ verunglimpften. Er erhoffte sich vom Gericht eine KlĂ€rung der Frage, was Fake News sind.cite-ref-119[119]
Italien
Beide Partner der Regierungskoalition von Cinque Stelle und Lega warfen den Medien vor, eine Hetzkampagne gegen sie zu fĂŒhren und Volksfeinde zu sein; ausgerechnet als Minister fĂŒr Wirtschaft und Arbeit feierte Luigi di Maio den vermeintlichen Tod der Printmedien, wĂ€hrend seine Partei laut NZZ selber âSpitzenreiter im Bereich der Fake Newsâ war. Ihre Nachrichtenportale verbreiteten auch Informationen fragwĂŒrdiger russischer Webseiten. Die Basis der beiden populistischen Parteien sei anfĂ€llig fĂŒr Verschwörungstheorien. Mit Falschmeldungen torpediere die Lega gemÀà NZZ derweil demokratische Prozesse, dies in Kontakt mit rechtsnationalen Kreisen in den USA.cite-ref-120[120]
China
Nach Recherchen der Professorin an der FakultĂ€t fĂŒr Bio-Industrie-Kommunikation und Entwicklung der NationaluniversitĂ€t Taiwan, Tai-Li Wang,cite-ref-121[121] ĂŒberschwemmte China die Republik Taiwan wĂ€hrend der dortigen PrĂ€sidentschaftswahlen 2020 mit gefĂ€lschten Meldungen. Auch die freie Medienbranche des Inselstaates geriet durch chinesische Infiltration oder gar AufkĂ€ufe von taiwanischen Medien unter Druck. Ein taiwanischer Beamter hatte im Jahr 2018 nach inzwischen nachgewiesenen gefĂ€lschten Meldungen und durch sie verursachte Kritik Suizid begangen.cite-ref-122[122]
Weiteres
Papst Franziskus setzte den 2018 am 13. Mai (in Deutschland am 9. September) alljĂ€hrlich stattfindenden Welttag der sozialen Kommunikationsmittel unter das Motto âDie Wahrheit wird Euch befreien â Fake News und Journalismus fĂŒr den Friedenâ: âGezielte Falschnachrichten erzeugten und nĂ€hrten eine Polarisierung der öffentlichen Meinungâ.cite-ref-123[123]
Im Oktober 2017 behauptete US-PrĂ€sident Donald Trump in einem Interview mit dem Fernsehsender Christian TV, dass er den Begriff Fake im Zusammenhang mit den Medien geprĂ€gt habe (âI think one of the greatest of all terms Iâve come up with is âfakeâ.â).cite-ref-latimes-171009-29-1[29] Dem widersprechen seriöse Kommentatoren (siehe Geschichte und Herkunft). Die von Trump erdachten Fake News Awards wurden am 17. Januar 2018 vergeben. Sie können als eine Fortsetzung seines âFeldzug[s] gegen unliebsame Medienâ verstanden werden.cite-ref-124[124]
Siehe auch
âą Falschmeldung
âą Filterblase
âą Hoax
âą LĂŒgenpresse
âą Tatarenmeldung
âą Wanderlegende / Urbane Legende
âą Zeitungsente, Grubenhund
Literatur
âą Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefĂ€llt«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, S. 3â22.
âą Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: Fake News machen Geschichte. GerĂŒchte und Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert.cite-ref-125[125] Ch. Links Verlag, 2017, ISBN 978-3-86153-961-2.
âą Sabrina Kirschner, Tomke Lask: Speak Up! â Zum Umgang mit Fake News und Hate Speech. Ostbelgische Zivilgesellschaft und internationale Wissenschaft im Austausch. Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6769-1.
âą Wolfgang Schweiger: Der (des)informierte BĂŒrger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verĂ€ndern. Springer Verlag, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-16057-9.
âą RoĂnagel, Alexander, u. a., Fake News. (PDF) Policy Paper, Forum Privatheit und selbstbestimmtes Leben in der digitalen Welt, 2017.
âą Stephan RuĂ-Mohl: Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefĂ€hrdet.cite-ref-126[126] Herbert von Halem Verlag, 2017, ISBN 978-3-86962-274-3.
âą Karoline Kuhla: Fake News. Carlsen Klartext, Hamburg 2017, ISBN 978-3-551-31731-5.
âą Soroush Vosoughi, Deb Roy, Sinan Aral: The Spread of True and False News Online. In: Science, Band 359, Heft 6380, S. 1146â1151. doi:10.1126/science.aap9559
⹠Alexander SÀngerlaub: Feuerwehr ohne Wasser? Möglichkeiten und Grenzen des Fact-Checkings als Mittel gegen Desinformation.cite-ref-127[127] Stiftung Neue Verantwortung, Juli 2018.
âą Alexander SĂ€ngerlaub, Miriam Meier, Wolf RĂŒhl: Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017.cite-ref-128[128] Stiftung Neue Verantwortung, MĂ€rz 2018.
âą Volker Barth und Michael Homberg: Fake News. Geschichte und Theorie falscher Nachrichten. In: Geschichte und Gesellschaft 44 (2018), Heft 4, S. 619â642.
âą Stefan Primbs: Was Verifikations-Einheiten tun. In: G. Hooffacker, W. Kenntemich, U. Kulisch (Hrsg.): Die neue Ăffentlichkeit. Springer VS, Wiesbaden 2018.
âą Christian Schicha, Ingrid Stapf, Saskia Sell (Hrsg.): Medien und Wahrheit. Medienethische Perspektiven auf Desinformation, LĂŒgen und âFake Newsâ. Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-7489-2319-0.
⹠Katrin Götz-Votteler, Simone Hespers: Alternative Wirklichkeiten? Wie Fake News und Verschwörungstheorien funktionieren und warum sie AktualitÀt haben. transcript Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4717-4.
âą Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung (BMBF; Hrsg.): Forschung gegen Fake News. Berlin, August 2022 (PDF; 1,71 MB).
Weblinks
Wiktionary: Fake News
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: MĂ€rchen
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą blog.trendmicro.de: Wie Cyber-Propaganda 2016 die Politik beeinflusst hat
âą deutschlandfunk.de, DLF24, Nachrichten vertieft, Ăber Fake News
1. Teil: Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa (1. MĂ€rz 2017)
2. Teil: Was sind eigentlich âFake Newsâ? (3. MĂ€rz 2017)
3. Teil: Haben Internet und soziale Medien âFake Newsâ groĂ gemacht? (6. MĂ€rz 2017)
4. Teil: Hat Donald Trump denn wirklich immer Unrecht? (14. MĂ€rz 2017)
âą Tutorial Fake News erkennen. faktenfinder.tagesschau.de
âą Medien, Politik und Propaganda
âą âWe provide well-documented information about corporate public relations (PR) campaigns, including corporate front groups, people who âfrontâ corporate campaigns, and PR operations.â sourcewatch.org (englisch: âWir liefern gut dokumentierte Informationen ĂŒber PR-Kampagnen (PR, Corporate Public Relations) einschlieĂlich der Frontgruppen von Unternehmen und Personen, die Unternehmenskampagnen vorantreiben sowie ĂŒber PR-Aktionenâ)
âą LĂŒgen, hetzen, denunzieren â Wer steckt hinter Fake News? Video ĂŒber drei Fake News-Beispiele, Spiegel TV, 12 min.
âą Nina Ort, Patrick Thor, Anna-Maria Babin: »Nobody Knows Exactly Whatâs Going On«. Drei Thesen und eine Schlussfolgerung zum PhĂ€nomen des âșPostfaktischenâč. (PDF; 484 kB) In: Muenchner Semiotik. Zeitschrift des Forschungskolloquiums an der LMU, Ausgabe 2017.
Einzelnachweise
cite-note-11. â siehe Regelwerk: § 37 (E4), § 55 (3). Fake News. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 6. April 2022
cite-note-22. â Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefĂ€llt âŠÂ«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, S. 3.
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